von Wichteln, Gnomen und Gärtnern

Wikiwichtel

Während des Seminars von Alexander Richer am Enterprise 2.0 FORUM kam eine kleine Liste der Bezeichnungen für den Wikiverantwortlichen zusammen.

Wikigärtner war zu Anfang der gängige Begriff, später kamen Wichtel, Trolle, Gnome, Kobolde, Koordinatoren, Moderatoren und noch weitere hinzu. Steward Mader hat noch ZenMaster und Fairy im Angebot, Gartenzwerge hat in der Diskussion allerdings niemand fallen lassen.
Frank Schönfeld hat am Tag darauf dann noch ausführlich Heinzelmännchen vorgestellt, ein neuer ausfühlicher Bericht dazu findet sich bei June/Jutta.

Was auf den ersten Blick beinahe lustig erscheint, spiegelt ganz gut die unterschiedlichen Auffassungen über die Wikipflege wider.

Trolle passen nicht so ganz in diese Aufzählung, da so Störenfriede betitelt werden. Der Umgang mit Trollen ist nicht ganz einfach. Da im Intranet oft Realnamen verwendet werden ist es etwas leichter als im anonymen Internet.

Gärtner sind für die Pflege der Planzen zuständig. Sie sorgen dafür, dass jedes Pflänzchen gesund ist und dass der Garten insgesamt harmonisch und sauber wirkt. Dafür muss auch mal der ein oder andere Strauch weichen.
Eben deshalb gefällt mir dieses Bild sehr gut. Der Wikigärtner geht behutsam vor, solange alles wächst. Wucherndes Gestrüpp und welke Gewächse werden aber gründlich gestutzt.
Nicht gepflegte Ontlogien oder unbrauchbare Strukturen kann der Gärtner auch in einer großen Aktion entsorgen.

Gnome, Kobolde, Wichte und Heinzelmännchen sind Fabelwesen und arbeiten im Verborgenen. Gnome, Kobolde und Wichtel gelten zwar als Schutzgeister, sind aber immer zu Späßen aufgelegt und necken die Hausbewohner; Ausnahme sind die Heinzelmännchen, die helfen nur. Alle arbeiten schnell, gewissenhaft und ohne, dass die Hausbewohner etwas davon mitbekommen. Nur den Schabernack müssen sie ertragen und wissen nicht, wer sie da neckt.
Für User mag es anfangs verlockend sein, wenn andere unsichtbar für sie arbeiten.  Nur sind die Fußspuren in einem Wiki sehr wohl sichtbar und größere Änderungen an der Struktur gehen auch nicht spurlos an den Nutzern vorbei.
Übertragen auf den Garten müssten die Fabelwesen störende Sträucher langsam ausdünnen und erst wenn etwas anderes die Lücke schließen kann, den letzten Strunk entsorgen.
Ich bezweifle, dass dies in der Praxis mit Informationen im Wiki so sauber machbar ist. Wer hier zuständig ist, sollte auch das Recht haben, mal ein Loch zu graben.

In Frank Schönflelds Vortrag sind die Heinzel die einzelnen Tools des Social Intranet. Kleine Helferlein, die den Gärtner bei seiner Arbeit unterstützen.

Die Feen kümmern sich nur um die Optik. Böse vorurteilsbehaftete Rollenverteilung 😉

In manchen Wikis übernehmen Koordinatoren diese Aufgaben und haben zusätziche administrative Rechte. Hier zerbricht der Mythos der Selbstorganisation dann völlig. Sicher kommt es im Einzelfall auf den Arbeitsstil der Person an, aber allein die Bezeichnung erinnert doch stark an die bürokratischen Strukturen, die ein Wiki überwinden soll.

Es geht darum, welche Kompetenzen dem Verantwortlichen übertragen werden. Hat er nur dafür zu sorgen, dass alles formell richtig ist und sauber wirkt oder darf er tiefer in das System eingreifen und auch die Struktur entscheidend mitbestimmen?

Spätestens wenn eine inhaltliche Verantwortung oder Qualitätsmerkmale verlangt werden, muss der Gärtner zumindest infomell mit gewissen Kompetenzen ausgestattet sein und extremes Taktgefühl beweisen.
Wie schwer das sein kann, zeigte ebenfalls die Diskussion im Seminar bei der Frage nach dem Umgang mit Ranghöheren. Im Extrembeispiel muss ein Rekrut einen Sternegeneral im Wiki (für alle nachvollziehbar) verbessern.
Diese Neuerungen muss eine Unternehmenskultur erst einmal verkraften und die Rolle des Gärtners/Wichtels sollte für solche Fälle ausreichend definiert sein.

Ein Vorbild ist hier Mark Shuttleworth, der es versteht sich in der Community als einfacher User zu beteiligen.

A few weeks ago, he posted a question on an Ubuntu list. Not an order. Not a policy decision. A question: “Should we think about…?” he asked.
CIO.com

Im Bereich der Communities hat David Terrar übrigens noch ein weiteres Bild geprägt, das die anspruchsvolle Aufgabe ebenfalls gut beschreibt. Er spricht von einem Party Host, der permanent um das Wohlbefinden der Gäste bemüht ist, Gespräche in Gang bringt oder hält, Leute bekannt macht und einzelne Gruppen aufeinander aufmerksam macht.

Neue Wikis wie Clearspace, Socialtext oder Confluence mit Community Bubbles verfolgen immer mehr den Community-Ansatz. Der Gärtner oder Wichtel sieht sich wohl bald mit neuen Aufgaben konfrontiert und dürfte bald intern die Rolle des Community Managers übernehmen.

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