Noch’n Network

Oliver Gassner hat mich ins fellowweb eingeladen und ist von einigen Funktionen ganz angetan. Es gibt wohl auch eine Liste mit Mängeln, die aber nich öffentlich gemacht wird.

Mit dem Slogan “ausgegruschelt” positioniert sich das Portal als direkte Konkurrenz zum Platzhirsch und enfant terrible der deutschen Community-Szene, StudiVZ.

Mein erster Eindruck war sehr ernüchternd…
Im Gegensatz zum spaßorientierten StudiVZ positioniert sich fellowweb klar als Portal für Berusfeinsteiger und will u.a. Jobs vermitteln. Eigentlich sind die Konkurrenten also openBC/Xing, Monster.de et al. und weniger die gruschelnden Partygänger.

Arbeitgeber?

Im Vergleich zu etablieren Jobbörsen mangelt es extrem an Seriosität, allein in den Profilbildern findet sich eine bunte Mischung aus Urlaubsschnappschüssen, Partybildern, Webcam-Selbstportraits und hochwertigen Bewerbungsbildern.
Die Snoggy genannten Avatare sorgen eher für eine präpubertäre Atmosphäre.

Das imho einzige Indiz für eine Orientierung Richtung potentieller Arbeitgeber findet sich im Footer der Seite. Dezent mit Sepia überdeckt finden sich dort die Logos der Kooperationspartner, u.a. die IHK Koblenz und Trier, die Bundesagentur für Arbeit, der Tagesspiegel und die Kölnische Rundschau.

guter Ansatz

Eine neue Funktion ist die Möglichkeit zur Bewertung. Jeder Nutzer kann bestimmte Eigenschaften von Freunden bewerten lassen, um so ein bessere Einschätzung zu ermöglichen. Wie objektiv diese jedoch ausfallen möchte ich lieber nicht wissen.

Datensammelwut

Die Profile sind detaillierter als ich das je irgendwo gesehen habe. Man kann die LKs samt Noten eintragen, diese werden dann in einen ominösen Algorithmus ausgewertet.
Viele Felder sind als Dropdown mit scheinbar endlosen Listen realisiert, selbst die exotischsten Fächer und Berufe sind aufgeführt. Wie so oft sind die Länder natürlich alphabetisch geordnet und niemand hat daran gedacht, die Angabe in 99% der Fälle – Deutschland – als ersten Listeneintrag zu verwenden. Manchmal wäre etwas mehr Patriotismus doch wesentlich benutzerfreundlicher.
Die wenigen Freitextfelder sind auf einzelne Zeilen beschränkt, selbst bei Zukunftsplänen gibt es den IHK-Kataolg zu Auswahl: Angestrebte Ausbildung – Verfahrensmechaniker/-in in der Hütten- und Halbzeugindustrie, jawoll.

Konkurrenzdenken

Verschiedene Communities bieten die Möglichkeit, das eigene Adressbuch mit den Mitgliedern abzugleichen. Fellowweb geht einen anderen Weg und bietet an, das komplette Profil aus Xing, StudiVZ oder SchülerVZ zu importieren. Ich will gar nicht wissen, ob dann auch automatisch Einladungen an die Kontakte verschickt werden. UGS, User generated Spam. Zumindest manuell kann man den verschicken.

Sicher mag das eine bequeme Möglichkeit sein, angesichts der offensiven “ausgegruschelt” Werbung finde ich dieses Gebahren fragwürdig.

Grundfunktionen

Facebook setzt Maßstäbe.Warum kann ich nicht angeben, woher ich eine Person kenne? Wenn ich Freunde sammeln will, spiele ich bei myspace mit. Ansonsten sind es lediglich Kontakte.

Fehlende Freitexte hatte ich schon erwähnt, Adressbuchabgleich auch. URLs werden nicht in Links konvertiert, nicht mal die Felder Homepage und Blog. Copy’n’Paste ist angesagt.

Für das Abwerben aus anderen Communites fehlen auf jeden Fall Fotos, außer einem Profilbild und dem Snoggy gibt es da nichts.

Widgets? Fehlanzeige. Feeds? Fehlanzeige. API? Fehlanzeige. Offen zugängliche Profilseite? Fehlanzeige.

misc

Alpha 2.0 – da hat jemand wohl niemand die Konventionen zu Versionsnummern mitbekommen…

Fazit

Für mch stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Wer Fun sucht, findet genügend andere Social Networks mit mehr Freiheiten. Sucht man geschäftliche Kontakte, fehlen die Funktionen, diese anschließend zu pflegen.
Die Zielgruppe der arbeitssuchenden Jugendlichen ist sicher groß, aber wenig beständig. Entweder, man findet einen Weg die Nutzer auch im Arbeitsleben an die Plattform zu binden oder man darf jedes Jahr eine neue PP-Welle lostreten. Dann reduziert man die Plattform auf eine gut durchsuchbare Kartei arbeitswilliger oder -unwilliger Schulabgänger.

One Pingback/Trackback

    23 August 2007 at 1:08pm
    Profile, Passwörter und Datenzäune... Viele Onlinedienste verlangen ...
  • trau.kainehm.de
  • Xing hat mitterweile die Importfunktion unterbunden und fellowweb ist sauer. Ich finde es ja schon grenzwertig, bei f8-apps Login und Passwort auf einer embedded-Seite einzugeben, wesentlich eleganter ist hier die flickr-API. Aber ein einem konkurrierenden Network den Login zu hinterlegen ist ein klarer Verstoß gegen jedes Sicherheitsdenken.

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