noch mal podcasts – Mediensammlung

Von den beiden Vortragenden meiner Gegenüberstellung der beiden ungleichen re:publica Vorträge zum Thema Rundfunk gibt es natürlich auch zahlreiche Kommenatre online, hier ein paar aktuelle:

Tim Pritlove im Spreeblick Interview zur re:publica und seinen Vorträgen:

Die Folien zum Vortrag Podcasts und Radio als Werkzeuge der Öffentlichkeitsarbeit

Das Isarrunde-Interview mit Martin Gebrande, Geschäftsführer der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien

Der Vortrag von Michael Praetorius

Virtueller Rundfunk (Vortrag auf der Republica XI, Berlin 2011)

Podcasts und virtueller Rundfunk

Die beiden Vorträge zu Podcasts von Tim Pritlove und Michael Praetorius auf der re:publica haben sehr schön gezeigt, warum es so schwer ist, bestehende Gesetze und neue Technik in Einklang zu bringen.
Tim hat seine pragmatische Sicht auf Podcasts geschildert und damit eine greifbare und logische Mediennutzung skizziert.

  • Es gibt Platz für die Nische. Wenn keine Begrenzung durch Sendefrequenzen besteht, können auch viele kleine Zielgruppen mit hochwertigen Inhalten versorgt werden. In der Nische gelten andere Regeln als in Massenmedien.
  • Hörer haben Zeit. Wer sich bewusst für eine Informationssendung entscheidet bringt die entsprechende Zeit mit. In ausführlichen Gesprächen lassen sich Hintergrundinformationen und Anekdoten vermitteln und interessierte Hörer wissen dies zu schätzen. Wie ein Hörbuch kann auch ein Podcast nebenbei laufen oder unterbrochen werden.
  • Technik ist günstig. Im Vergleich zu früheren Aufnahmestudios lässt sich heute mit einfachen Mitteln wie dem Zoom H2 bereits eine gute Qualität erzielen.
  • Menschen haben Geschichten zu erzählen. NGOs, Vereine, etc. leben von ihren Mitgliedern und Mitarbeitern, diese Menschen und ihre Erfahrungen machen die Institutionen interessant. Dieses Potential ist ehrlicher und viel mehr wert als pseudokreative Kampagnen.

In bester Tradition des Cluetrain Manifest werden Organisationen greifbar, virtueller Rundfunk ist die Rückkehr zu den ausführlichen Strecken der ersten Radiosendungen. Diese Deutung ist frei von gesetzliche Zwängen und an den eigenen Gewohnheiten orientiert.
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Im Gegensatz dazu hat die Isarrunde versucht, virtuellen Rundfunk nach den Buchstaben des Gesetzes auszulegen und den Twitter-Account als Radiosender anzumelden. Das Experiment hat in den Landesmedienanstalten für das Thema sensibilisiert, aber die Diskussion war sehr anstrengend. Radio ist nicht Musik oder ein Sprachbeitrag, sondern die Gestaltung eines Live-Programms mit meinungsbildendem Charakter. Oder so ähnlich.
Man merkt deutlich, dass @praetorius aus dem Radioumfeld stammt. Sicher ist der Ansatz einer sauberen Regelung lobenswert und richtig, im direkten Vergleich der Vorträge fällt aber die Absurdität dieser Diskussion ins Auge, da die Definition des Gesetzgebers wenig mit der üblichen Wahrnehmung zu tun hat und durch neuen Technologien auf komplett andere Kanäle Anwendung findet.

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Für mich ist virtueller Rundfunk wenn die Bande von mobilemacs, Holgi und Tim von NSFW oder das Podcasterpack aus München die Strecke auf der Autobahn verkürzt oder Hausarbeit erleichtert. Euch allen Danke dafür.

re:cap

Nach der Lektüre von verschiedenen Berichten der re:publica muss ich meine ursprünglichen Tenor noch einmal anpassen, ursprünglich wollte ich auch hauptsächlich über die Räume lästern. Anders als Thomas Knüwer in der sonst guten Beurteilung der re:publica vermutet, standen wir mehrmals in der Besuchertraube. Das war regelmäßig der Fall, wenn man in den knappen Sessionpausen vom Friedrichstadtpalast in die Kalkscheune wechseln musste.

Obwohl sich das Team sehr bemühte, sorgten immer wieder Äußerungen Einzelner „Ich komme von drin, da ist leer“ für Verwunderung und Frust bei den Wartenden. Dank des schlechten Wetters ließen sich diese Wartezeiten auch nur bedingt zu Kontaktpflege nutzen, alle wollten nur schnell ins Gebäude und damit ins Trockene.

Der zweite Kritikpunkt ist die Nabelschau der Twitteria. Vor der Twitterlesung wurde noch auf der Bühne gescherzt, dass nur von Autoren gelesen wird, die mit einem Jurymitglied im Bett waren. Dieser Eindruck zog sich durch die ganze Veranstaltung, es traten gefühlt immer die gleichen Nasen prominent in der Gruppe auf. Gleichzeitig waren interessante Vorträge im Quatsch Comedy Club „geparkt“, hier drei Perlen:

Johnny Häusler hat zum Glück schon angekündigt, dass die Raumproblematik für das nächste Jahr angegangen wird. Daneben würde ich mir noch wünschen, dass sich die Twitter/Blogprominenz bereit findet, jeweils ein oder zwei Vorträge als Themenpate anzumoderieren und die Diskussion zu leiten.
Sich im Vorfeld durch das ganze Programm zu wühlen ist so aufwändig dass man doch schnell bei den Bekannten hängen bleibt, wie Thomas Knüwer schon postuliert hat. Ich hatte freundlicherweise Unterstützung, die mit viel Geduld das gesamte Programm durchgesehen hat.

Ansonsten bleibt der Eindruck eines netten Klassentreffens, bei der Größe und Themenvielfalt allerdings nur um bestehenden Bekannten die Hand zu schütteln. Respekt vor der Orga eines solchen Events und vielen Dank an das Team und die vielen freiwilligen Helfer.

Meine Bilder sind auch auf flickr in der re:publica 11 Gruppe.