Das Web 1.0 gründet auch noch

In Bielefeld besinnt man sich auf erprobte Technik und schmückt klassische Kontaktbörsen mit Farbverläufen.

Und auch bei den Spammern ist die Uni Stuttgart etwas später dran. Zumindest findet man die identische Werbung  bereits seit einem Monat in anderen Studentenforen. Ein ronaldo2000/Ivo fragt an, ob eine völlig unbekannte Plattform bei der Anmeldung den Studentenausweis verlangen soll.
Die Sicherheitslücken, die in diesen Foren wenige Stunden dokumentiert werden, sind immer noch nicht geschlossen. Nutzerprofile sind ohne Anmeldung einzusehen.

Obwohl in den Pressemitteilungen fünf Beteiligte erwähnt werden, findet sich im Impressum nur ein Ansprechpartner, die “Mitgründer” halten sich sehr zurück.
Auf den gleichen Namen sind noch mindestens 15 andere Domains für die Projekte handicap-love, christ-sucht-christ und rehatools registriert. Diese teilen sich auch die gleiche Google-Analytics-ID. Die Domain selbst ist auf eine Immobiliengesellschaft eingetragen, die nicht im Branchenverzeichnis/Telefonbuch zu finden ist.
Kontaktversuche nach Bielefeld verlaufen alle erfolglos, sowohl an verschiede Adressen des Gründers als auch an die des Werbers im Forum.

Das Rennen um die Studenten ist in Deutschland schon vorbei. Wer auf diesem Markt Fuß fassen will, muss schon einen richtigen Mehrwert liefern. Allein die Aussage “alles Non-profit” hilft hier nichts. Im Gegenteil, irgendwer muss Server und Traffic letztendlich zahlen.Wäre die Aktivität auf ein Projekt beschränkt, könnte man noch an Altruismus glauben. Die Häufung lässt jedoch ein kommerzielles Interesse vermuten.
Über das Geschäftsmodell von stugate und den andern Projekten möge sich jeder selbst seine Gedanken machen.

Wenn Yahoo! oder Google einen neuen Service anbieten, ist die Investition strategisch oder das Geschäftsmodell halbwegs klar. Für kleine Startups bleibt nur die Öffnung nach außen, um ein erstes Vertrauen zu schaffen. Informationen über die Macher sind über Denic, RIPE, Whois, etc. nur wenige Klicks entfernt, hier ist Information aus erster Hand wesentlich besser zu kontrollieren. Nicht umsonst haben sich Gründerblogs etabliert. Auch wenn sich das web2.0 zum Schlachtfeld gemausert hat, bleibt etwas Kuschelatmosphäre.
Bei MySpace will der Gründer sogar der Freund von jedem neuen Mitglied sein, mit allen 212373600 Buddies kann er aber sicher nicht kommunizieren.
In den Anfangszeiten war StudiVZ sehr umstritten und die Kommunikation nicht immer ideal. Was sie richtig gemacht haben, war von Anfang an das Team unter Realnamen vorzustellen und über das Projekt zu sprechen. Die Antworten an Rainer Meyer kamen zwar oft verspätet im Blog und nicht direkt per Mail, aber in dem Grabenkampf war das wohl ein probates Mittel.

Wer die Öffentlichkeit scheut, kann auf FBML oder OpenSocial setzen. Da sich Nutzer hier nicht nochmals anmelden müssen, stellen Sie auch weniger kritische Fragen. Das Vertrauen wird durch die Installation auf befreundeten Profilen erreicht.Die nächste Welle der dubiosen Services steht dort sicher bevor, die Konsolidierung folgt dann wahrscheinlich genauso schnell.